Hauptschulkurs erfolgreich gestartet


VHS empfängt hochmotivierte Teilnehmer zum Start des Hauptschulabschlusskurses.

 

Anfang der Woche hat nicht nur die Schule in Hessen wieder begonnen. In Erbach an den Start gegangen ist auch der neue Kurs „Hauptschulabschluss erwerben“, der im neuen Programmjahr von der Volkshochschule Odenwaldkreis (VHS) in Zusammenarbeit mit mehreren Organisationen und mit dem Kommunalen Job-Center angeboten wird. Zum Begrüßungs- und Auftaktabend im VHS-Schulungsraum „Mümling“ waren alle 14 angemeldete Teilnehmerinnen und Teilnehmer, zum Teil unterstützt durch ihre Eltern, sowie geladene Gäste erschienen. VHS-Leiterin Dr. Ilona Agoston hieß die Anwesenden herzlich willkommen und überbrachte die Grüße von Schuldezernent Oliver Grobeis, der sich entschuldigen ließ.

Was bedeutet es für einen Erwachsenen, noch einmal die Schulbank zu drücken, um einen Schulabschluss zu erwerben? Ein Jahr lange strenge Disziplin, an drei Abenden in der Woche jeweils für 3,5 Stunden Unterricht besuchen, zuhause lernen und eine schriftliche sowie eine mündliche Prüfung ablegen. Wofür diese Anstrengungen? Wie sieht der Lohn dafür aus? Dr. Thomas Kripp unterrichtet Mathematik und Biologie in dem Kurs. Er beantwortete die Frage mit einem eindrucksvollen Zitat aus der weltbekannten Erzählung „Der kleine Prinz“ des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Übertragen auf die Perspektiven der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer gleicht eine erfolgreiche Teilnahme einem Türöffner in die Arbeits- und Berufswelt. Bislang fiel die Tür spätestens dann zu, wenn es um Höherqualifizierungen, einen sicheren Arbeitsplatz, bessere Verdienstmöglichkeiten und Karriere ging. Besonders für junge Menschen ohne Schulabschluss, Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete und Arbeitssuchende, aber auch lebenserfahrene Berufstätige, die sich fachlich weiterbilden wollen, ist der Kurs die Chance ihres Lebens. Diese zu ergreifen und umzusetzen, erfordere Geduld, Fleiß und Durchhaltevermögen, gab Dieter Weis, Rektor der Theodor-Litt-Schule in Michelstadt und Prüfungsvorsitzender des Kurses, mit auf den Weg.

Deutschunterricht erteilt Ines Einsporn-Lochschmidt. Sie spornte dazu an: „Jeder hat das Recht, seinen eigenen Weg zu wählen“ und Dr. Ilona Agoston betonte das Versprechen der VHS, alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in allen Fragen und Situationen intensiv zu unterstützen. Im Gegenzug werde von ihnen erwartet, dass sie regelmäßig an den insgesamt 500 Unterrichtsstunden teilnehmen und alles daran setzen werden, den Abschluss zu bestehen. Unterrichtet wird in den Räumen der VHS immer dienstags, mittwochs und donnerstags, jeweils von 17:00 bis 20: 30 Uhr. Im März 2020 findet in Zusammenarbeit mit den Jugendwerkstätten Odenwald, für die Hanna Seip am Eröffnungsabend vertreten war, ein zweiwöchiges Praktikum statt. Die schriftliche Prüfung steht im Mai und die mündliche im Juni 2020 an. Abgenommen werden die Prüfungen in Deutsch, Mathematik, Gesellschaftskunde und Biologie. Einen „qualifizierten Hauptschulabschluss“ erhält, wer sich zusätzlich einer Prüfung in Englisch unterzieht. Matthias Brenner unterrichtet Gesellschaftslehre und in Deutsch erfahren die Teilnehmerinnen und -teilnehmer eine zusätzliche Unterstützung durch Raimund Turnwald. Die erfahrenen Lehrkräfte verfügen zum Teil über eine sozialpädagogische Zusatzqualifikation.

Einer, der es zuletzt mit einem Notenschnitt von 2,5 geschafft hat, ist Mathias Petra (20) aus Höchst. Für den jungen Mann war es eine Ehre, zu diesem Abend eingeladen worden zu sein. Gerne gibt er seine Erfahrungen weiter, den „es lohnt sich in jedem Fall, die Chance zu nutzen“, gab er den Neulingen mit auf den Weg. Sein Tipp: „Jeden Tag mindestens zusätzlich eine Stunde lernen, um immer dranzubleiben.“ Jetzt steht eine Ausbildung zum Restaurantfachmann an. Auch die 32 Jahre alte Mairamou Veith hat am 1. Februar ihr Zeugnis entgegennehmen können und hat sich zum Ziel gesetzt, als medizinische Fachangestellte ihren Lebensunterhalt zu sichern. „Den Kurs kann ich uneingeschränkt empfehlen.“ Die Lehrer beschreibt sie als besonders hilfsbereit und kompetent. Erst sieben Jahre ist her, dass sie aus Kamerun nach Deutschland gekommen ist und hier privat wie beruflich ein neues Zuhause gefunden hat.

Die fachliche Leitung des Kurses liegt in den Händen von Silke Weis, die bestätigen kann, dass im zurückliegenden Kurs zehn Teilnehmer diese Erfahrungen gemacht haben und neun mit einem Zeugnis belohnt wurden: „Vier Mal sogar mit dem Zusatz ‚qualifizierter Abschluss‘.“ Zu denen, die jetzt loslegen, zählt der 22 Jahre alte Nils Feick aus Hainstadt. Die Realschule hatte er damals vorzeitig verlassen. Heute weiß er, „dass ich etwas in der Hand haben will, was mich weiterbringt“. Erfahrungen sammelt der junge Mensch derzeit als Alltagsbegleiter. Daraus ist auch sein Berufswusch entstanden: In einem Jahr möchte er das Zeugnis in der Hand halten, welches ihm den Weg in eine Ausbildung zum Arbeitserzieher eröffnet.

Der Anfang ist gelungen. Hochmotiviert und ein Ziel vor Augen sind sie gestartet. Zur Finanzierung der Kurskosten hat die VHS die Maßnahmenzertifizierung nach AZAV absolviert und damit die Berechtigung erlangt, Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit und des Kommunalen Job-Centers für diesen Lehrgang einzulösen. Unterstützung erfährt das besondere Kursangebot auch von der Industrievereinigung Odenwaldkreis.

 

Auch für 2020 ist ein erneuter Hauptschulkurs geplant sowie erstmals ein Realschulkurs angedacht. Interessierte können sich bereits informieren und anmelden.

 

Kontakt:

Volkshochschule Odenwaldkreis

Helmholtzstrasse 3

64711 Erbach

06062 70-1732

vhs@odenwaldkreis.de

 

 


Zurück